Was waren das noch für Zeiten, mit dem schillernden JFK auf der einen und dem Zigarren-rauchenden Fidel Castro auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs. Militärparaden und Skandale, Säbelrasseln und Kanonenboot-Rhetorik, Rockstar-Politik und Paparazzi-Hetzjagden. Obamas Präsidentschaft hat ihren irrwitzigen "Yes we can"-Zauber ebenso schnell verloren, wie Sarkozys stümperhaft aufgebauschte Glanz und Gloria-Ehe mit Carla Bruni und selbst die generalstabsmäßig inszeniert Hochzeit der pferdegesichtigen Windsors konnte nur kurz über die neue Herrschaft der grauen Männer hinwegtrösten.
Fast unbemerkt hat ein Heer farbloser Vereinsmeier die weltweite Politik im Handstreich erobert und quält nun sesselpupsend und selbstgefällig auch die hartnäckigsten Phoenix-Zuschauer mit geballter Langeweile. Zugegeben, die eigenen Untertanen hatten mit den schillernden Potentaten oft nicht viel zu Lachen, der Rest der Welt hingegen schon. Und so wandert der Blick heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Land jenseits der Alpen.
Italien - oder Area 51 wie es nach der Anzahl der überstandenen Mißtrauensvoten Berlusconis gerne genannt wird - atmet auf. Nachdem sich auch die letzten Weggefährten wie die Trümmertranse von Tripolis, der Terrorpate von Tunis und und die Grinsekatze von Kairo nach anhaltenden Protesten aus dem Staub gemacht haben oder als Rohrkrepierer elendig verendet sind, tritt nun eine der letzten skandalträchtigen Lichtgestalten von der Bühne der internationalen Politik ab: Silvio, il Cavaliere, Meister aller Bunga-Bunga-Parties, der Teflon-Don Europas hat seinen Rücktritt angekündigt und überlässt die Bühne politischer Lächerlichkeit dem letzten großen Staatsführer unserer Tage, Kim Jong Il.
Nordkorea ist nun das kleine gallische Dorf und der Geliebte Führer, dessen Geburt tief im Herzen eines Vulkans den Winter zum Frühling werden und den Himmel voller Regenbogen erstrahlen ließ, der mit 5 Hole-in-Ones auf einer einzigen Runde Golfgeschichte schrieb und ganz nebenbei den Hamburger erfand, ist nun der einzige Überlebende einer Kaste, die einen letzten Hauch von Glamour in sonst staubtrockene Wirtschafts- und Politgazetten brachte.
Was ist passiert? Berlusconi hat während seiner politischen Laufbahn mehr Skandale überstanden, als im gesamten Œuvre des Bastei-Lübbe-Verlags zu finden sind. Für jeden einzelnen seiner Ausrutscher wäre er im Rest Europas geteert, gefedert und aus dem Land gejagt worden. Doch weder seine legendären Bunga-Bunga-Orgien mit minderjährigen Bauchtänzerinnen ohne Aufenthaltsgenehmigung, noch seine Verstrickungen mit jeder kriminellen Organisation von Catania bis Triest und erst recht nicht seine zahlreichen Prozesse wegen Korruption und Amtsmissbrauch konnten ihm etwas anhaben. Selbst als der Rest der Welt seine Possen nur noch schmunzelnd und mit einem Achselzucken hinnahm, hielten ihm die Wähler im einst so stolzen und selbstbewussten Italien treu die Stange.
Zu groß war die Hoffnung, das Self-Made-Milliardärs-Dasein würde wie von Geisterhand auf die eigenen Landsleute abfärben. Wenn sich schon jemand auf Steuerzahlers Kosten in die eigene Tasche wirtschaftet, dann doch bitte derjenige, der es am wenigsten nötig hat, war die Devise. Doch nun sind die Taschen leer und auch der letzte heimliche Macho hat eingesehen, dass mit 70 keine heißen, sexhungrigen Blondinen mehr zu Hause warten, sondern die eigene Ehefrau und drei arbeitslose Kinder.
Und so erwarten uns in Zukunft G8 Gipfel ohne Verstecken-Spielen, Staatsempfänge im Buckingham Palace mit einer durchweg höchst amused'ten Queen, Politessen, die unbehelligt Falschparker vor Regierungsgebäuden aufschreiben können und eine sauertöpfige Kanzlerin, welche die Entbehrungen eines Krisengipfels ohne leidenschaftliche Nackenmassagen überstehen wird müssen.
Für Blogger, Cartoonisten, Satiriker, Comedians und all die anderen, denen Berlusconi & Co. jahrelang täglich frische Ware geliefert haben, brechen hingegen schwere Zeiten an und so ist dieser Beitrag Dankesrede und Nekrolog zugleich an einen, dem dieser Blog viel zu verdanken hat.